Palliative Tumortherapie

Anteilnehmende Palliativmedizin
Obwohl die Heilung eines Patienten das grundlegende Therapieziel in der Tumormedizin ist, ist dies nicht immer möglich. In diesen Fällen fühlen wir uns einer Palliativmedizin verpflichtet, welche die letzte Lebensphase unserer Patienten so beschwerdefrei wie möglich macht. Wir sind in enger Kooperation mit den Palliativ- und Schmerztherapeuten der anderen Fachdisziplinen.

Definition der Palliativmedizin nach WHO 2004
Entsprechend der jüngsten Definition der WHO ist Palliativmedizin ein Ansatz zur Verbesserung der Lebensqualität von Patientinnen und Patienten und ihren Angehörigen, die mit Problemen konfrontiert sind, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen - und zwar durch Vorbeugen und Lindern von Leiden, durch frühzeitiges Erkennen, Einschätzen und Behandeln von Schmerzen sowie anderen belastenden Beschwerden körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art. Die Mehrzahl der palliativmedizinisch betreuten Patientinnen und Patienten leidet an den Folgen einer inkurablen, progredienten Tumorerkrankung; aber auch wer an einer unheilbaren neurologischen oder chronischen internistischen Krankheit im fortgeschrittenen Stadium leidet, kann von den Möglichkeiten der Schmerztherapie und Symptomkontrolle profitieren.

Stellung der Strahlentherapie
Die Strahlentherapie ist als Element der Palliativtherapie wichtiger Baustein der Palliativmedizin. Bei der palliativen Strahlentherapie richtet sich die Behandlung direkt auf die Tumorerkrankung (antineoplastische Therapie), eine Heilung der Tumorleidens ist aber nicht mehr möglich. Ein typisches Beispiel: Knochenmetastasen verursachen Schmerzen sowie eine Einschränkung der Mobilität (Gehfähigkeit) durch Stabilitätsgefährdung mit Knochenbruchgefahr. Durch die Strahlentherapie werden die Krebszellen im betroffenen Knochen vernichtet, die Schmerzen verschwinden und die Mobilität und damit die Selbstständigkeit des Patienten wird erhalten. Eine teilweise nebenwirkungsreiche medikamentöse Schmerztherapie mit Opiaten kann vermieden werden.

Belegstation
Als eine von wenigen strahlentherapeutischen Institutionen verfügen wir über eine eigene Bettenstation (Belegabteilung) im St.-Agnes-Hospital Bocholt. Gemäß Landesbettenplan stehen uns 9 Betten zur Verfügung. Diese versetzt uns in die Lage, insbesondere Patientinnen und Patienten mit einer eingeschränkten Mobilität optimal zu versorgen. Im engen Kontakt mit den anderen Fachdisziplinen des St.-Agnes-Hospital können unsere Patienten bei allen medizinischen Problemen rasch interdisziplinär behandelt werden. Spezielle Behandlungsverfahren wie komplexe simultane Radiochemotherapien, z.B. bei Patienten mit Tumoren des Kopf-Hals-Bereiches oder mit Analkarzinomen machen häufig eine kurzzeitige stationäre Therapie erforderlich, damit die Strahlentherapie in kurativer Intention nicht unterbrochen wird. Im Rahmen der Palliativmedizin ist bei Patienten nach der Entlassung oft eine weitere pflegerische Betreuung erforderlich. Gemeinsam mit dem Sozialdienst des Krankenhauses und in enger Abstimmung mit den Angehörigen sorgen wir dafür, dass die notwendige ambulante pflegerische und ärztliche Versorgung gewährleistet ist.

Literaturhinweis
Claudia Bausewein et al. Leitfaden Palliativmedizin - Palliative Care.
Elsevier Verlag , München; Auflage: 3. A. (2007)
Hübner J. Komplementäre Onkologie. Supportive Maßnahmen und evidenzbasierte Empfehlungen. Schattauer Verlag Stuttgart 2008
M. Kloke et al. Onkologische palliativmedizinische Konferenz. Deutscher Ärzte-Verlag Köln 2004